Edvard Frank (1909-1972)

"Seine Welt zeige der Künstler, die niemals war noch jemals sein wird." (Hermann Bahr)

Die meisten Aquarelle Edvard Franks umweht ein Hauch von Arkadien, es sind Ideal-Bilder eines zeitlosen Hedonismus, getaucht in mediterranes Licht und leuchtende Farben. Aber warum wirken sie so zeitlos? Die Szenen spielen in Landschaften, die der Antike entnommen scheinen, immer wieder tauchen Ruinen oder antike Vasen in den Bildern auf. Die dargestellten Personen sind oft nackt oder in Togen oder Tücher gehüllt, so dass man sie nicht der Kleidermode einer bestimmten Zeit zuordnen kann, von ihrer Physiognomie her erscheinen sie andererseits jedoch auch durchaus zeitgenössisch. Und es sind durchaus moderne malerische Mittel, die er zur Umsetzung seiner Bildideen einsetzt: Abstraktionen, eine flüssige Pinselschrift, die fließenden, nuancenreichen Übergänge und der teilweise gebürstete Farbauftrag, der die Flächen zum Vibrieren bringt.

Was dem Betrachter sofort ins Auge fällt, ist die Ästhetik seiner Arbeiten, die konsequente Organisation der Bildfläche als Ganzes, das rhythmische Wechselspiel zwischen linearen und flächigen Partien und die oft kühne Farbkomposition. Traumverloren, in sich versunken, verschmelzen die Figuren mit diesen Ideallandschaften, sind Repräsentanten einer Welt, entsprungen aus der inneren Anschauung des Malers, der so oft als der griechischste unter den deutschen Malern bezeichnet wurde.

Edvard Frank wurde 1909 in Korschenbroich in der Nähe von Mönchengladbach geboren. Seine Familie zog mehrfach um, bis sie sich schließlich im saarländischen Dillingen niederließ, wo der Vater eine Apotheke übernahm. 1926 begann Edvard Frank seine künstlerische Ausbildung an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Trier bei Prof. August Trümper. Trümper selbst malte impressionistische, mediterrane Landschaften, doch machte er seine Schüler auch mit zeitgenössischen Strömungen vertraut. In Trier lernte Edvard Frank Reinhard Heß kennen, der ebenfalls bei Trümper ausgebildet worden war. Die beiden verband eine lebenslange Freundschaft und auch bei Franks späteren Besuchen in Trier unternahmen sie häufig gemeinsame Malausflüge. Das Moselland und seine römische Vergangenheit inspirierten ihn. Es entstanden ganze Serien mit Darstellungen der Igeler Säule, von römischen Athleten, frühchristlichen Märtyrern und von den Bauernhäusern der Umgebung, vor allem Lothringens und der deutschen Westgrenze. Solche Werkserien sind typisch für ihn und ziehen sich durch sein gesamtes Oeuvre, ebenso wie die Motive, die sich bereits während seines Studiums festigen: neben mythologischen und arkadischen Darstellungen, Akten, Sportlern und Märtyrern findet man in seinem Oeuvre vor allem Landschaftsbilder. Waren es zunächst die Landschaften der Mosel, kamen später die Landschaften Italiens, Südfrankreichs, Kleinasiens und vor allem Griechenlands dazu, die ihn bis zuletzt fesselten. Dennoch malte Frank nie pleinair, er schöpfte stets aus einer Fülle verschiedener Eindrücke, die er im Atelier kontrolliert auf die Bildfläche bannte.

Nach Abschluss seines Studiums in Trier verbrachte er das Sommersemester 1930 an der Werkschule Köln bei Richard Seewald und wechselte dann an die Akademie nach Berlin, wo er in die Klasse Karl Hofers aufgenommen wurde. Dieser war vom mediterranen Flair seiner Malereien beeindruckt: "Hofer glaubte, ich sei in Südfrankreich gewesen, als er die Trierer Zeichnungen sah", schrieb Frank in einem Brief an seine Familie.

Von weitreichender Bedeutung für Franks weiteres Schaffen wurde eine Reise nach Italien, die er im Sommer 1933 gemeinsam mit seiner Schwester unternahm. Das Erlebnis Roms führte zur Entdeckung seiner Idealwelt in der Antike. Die mediterrane Landschaft berauschte ihn, wie schon vor ihm die Maler Purrmann, Gilles oder Bargheer. Die Faszination der Atmosphäre, der Landschaft und des Lichts war so stark, dass Frank 1934/35 ein Studienjahr in Rom verbrachte. In dieser Zeit nahm er verschiedene Einflüsse auf, die sein späteres Werk prägten: antike, frühchristliche und etruskische Kunst, die Fresken Fra Angelicos, aber auch die Klassische Moderne wie z.B. Henri Matisse oder Pablo Picasso. Auch die Werke von Carlo Carrà und Giorgio Morandi, die er in den Galerien Roms betrachten konnte, inspirierten ihn. Ihre flächige Malweise kam seiner persönlichen Auffassung sehr entgegen.

In den Jahren 1936-40 setzte Frank sein Studium in Berlin fort. Die sich verändernden politischen Verhältnisse beobachtete er eher als Außenstehender, bis er 1941 zum Wehrdienst nach Hamburg eingezogen wurde. Wegen einer Verletzung, die er sich kurz danach zuzog, wurde er jedoch im Sommer 1942 zunächst dienstuntauglich entlassen. Mehrfach, auch von seiten der Familie, wurde später der Verdacht geäußert, er habe sich diese Verletzung absichtlich zugefügt, was sich jedoch nie beweisen ließ. Der erneuten Einberufung in den letzten Kriegsmonaten entzog er sich jedenfalls, indem er sich - quasi als Deserteur - an verschiedenen Orten versteckt hielt.

Nach dem Krieg trat Edvard Frank mehreren wichtigen Künstlervereinigungen bei und fand gleichgesinnte Kunstfreunde und Künstler, die ihn in ihre Reihen aufnahmen und protegierten. Immer wieder führte ihn sein Weg auch nach Trier, wo er Mitglied der Trierer Sezession war und mehrfach ausstellte.

Die Stabilisierung seiner Lebensumstände und die Möglichkeit, unbeschwert zu arbeiten, führten nach 1945 zu einem wahren Schaffensrausch. Ungewöhnliche, eigenwillige Farben beherrschten seine Bilder in dieser Periode, Orange und vor allem Violett, von ihm selbst oft als "Unfarbe" oder als "Farbe der Unentschiedenheit" bezeichnet, vor der jede andere Farbe stehen könne. Endlich konnte Edvard Frank auch erste Erfolge verzeichnen, seine erste Einzelausstellung im Juli 1946 in der Städtischen Kunstsammlung Baden-Baden wurde sehr gut besprochen. Es folgten Ausstellungen seiner Arbeiten in Hamburg, Lübeck, Berlin, Karlsruhe, Mannheim, Mainz und Kaiserslautern, wo er den Treppenaufgang der Pfalzgalerie mit einem großen Wandgemälde schmücken durfte.

Frank, der selbst immer sehr zurückhaltend war und von ständigen Selbstzweifeln geplagt wurde, fand bei seinen Kollegen große Anerkennung. Wie ich kürzlich in einem Buch über den Brücke-Maler Erich Heckel lesen konnte, hatte sogar dieser berühmte Künstler Freude an Franks Bildern. Ab den sechziger Jahre wurde Franks Landschaftsauffassung zunehmend abstrakter. Es entstanden mosaikartig, fast geometrisch zusammengesetzte Farbflächen, die an die frühe Farbfeldmalerei erinnern, obwohl auch diese abstrakten Arbeiten meist gegenständlich gedeutet werden können. In den letzten Lebensjahren gewann die Farbe zunehmend an Bedeutung, wurde fast transzendental, während Rhythmus und Form immer nebensächlicher wurden. 1972 starb der Träger des Kunstpreises Rheinland-Pfalz, des Albert-Weisgerber-Preises und des Willibald-Kramm-Preises in Saarlouis.

In der Literatur über Edvard Frank wurde mehrfach geäußert, dass die Veränderung der äußeren Umstände, die nationalsozialistische Kunstpolitik, in den dreißiger Jahren den Weg in die Innere Emigration, die Flucht in eine andere Zeit und an einen anderen Ort bedingt hätten, um sich dem politischen Wandel in Deutschland zu entziehen. Dieser Weg entsprach jedoch durchaus seiner persönlichen Verfassung, denn Edvard Frank war immer ein Außenseiter, ein sehr distanzierter Künstler und ein stiller, introvertierter Mensch, der - von zeitgenössischen Strömungen und -ismen unberührt - in der Auseinandersetzung mit Farbe und Form ein äußerst eigenständiges Werk geschaffen hat. In seinen Bildern zeigt er uns seine ganz eigene Welt, in der der kostbare und doch so vergängliche und bedrohte Augenblick des vollendeten Glückes festgehalten wird.

Heinz Schöffler hat anlässlich einer Ausstellungseröffnung einige sehr schöne Sätze zu den Arbeiten Edvard Franks gefunden, die ich abschließend hier gerne zitieren möchte: "Man kann die besten seiner Bilder nie zu Ende sehen. Klar gefügt, geben sie doch Rätsel auf, geben sie immer mehr, als sie zeigen. Nicht zuletzt diese Eigenschaft macht, dass man die Bilder von Edvard Frank immer um sich haben kann. Man ist glücklich mit ihnen."

Dr. Barbara Schulte

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